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„Die Chinesen sind nicht unschlagbar“

Interview mit Dima Ovtcharov, Tischtennis-Nationalspieler

Seit 2012 trägt er unser HGHI-Logo in die Welt: Dima Ovtcharov. Im vergangenen Jahr führte der mehrfache deutsche Nationalspieler die Tischtennis-Weltrangliste an, dann warf ihn eine Verletzung zurück, jetzt ist er wieder zurück: Mit Fakel Orenburg gewann er die Champions League und nächstes Jahr ist er bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei. Wir sprachen mit dem Wahl-Düsseldorfer über Siege, Niederlagen und die Übermacht aus China.

Du lebst in Düsseldorf, fliegst zu Turnieren in der ganzen Welt und spielst bei Fakel Orenburg im fernen Ural in Russland. Wie bekommst Du das alles unter einen Hut?

Das lernt man mit der Zeit. Und man braucht natürlich ein gutes Reisebüro. Ich lege jedes Jahr viele Flugkilometer zurück. Bei den vielen Flügen, Hotels, Mietwagen etc. die ich schon alle gebucht habe, habe ich das Gefühl, dass ich nach meiner Karriere direkt als Reisebürokaufmann anfangen könnte. Man muss seinen Terminkalender extrem gut organisieren und schauen, wo man sich auch ein paar Tage Freizeit einbauen kann. Insgesamt ist eine gute Mischung aus harten Trainingsblöcken, Turnieren, nationalen und internationalen Meisterschaften sowie Regenerationsphasen wichtig.

Wie schaltest Du am besten ab?

Die vielen Reisen, Turniere und Trainingseinheiten zehren natürlich mental sehr an einem. Ich probiere daher täglich 15 Minuten zu meditieren oder ein 30minütiges Yoga-Programm zu machen. Die verschiedenen Atemtechniken helfen mir runterzukommen, abzuschalten und die Balance zu halten. Die freie Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, hilft mir ebenfalls Kraft zu tanken.

Seit 2012 trägst Du unser HGHI Logo in die Welt. Was bedeutet Dir diese Partnerschaft?

Mit der HGHI bin ich sehr eng verbunden. Sie zählt zu meinen größten und längsten Förderern. Ein solcher Partner ermöglicht es mir erst, mich voll und ganz auf meinen Sport konzentrieren und auf einem solchen Topniveau spielen zu können. Daher bin ich der HGHI sehr dankbar, dass sie mich schon so lange unterstützt. Ich schätze die Loyalität und den fairen Umgang auf Augenhöhe.

Interessierst Du Dich auch für Immobilien?

Absolut! Immobilien sind ein sehr spannendes Thema. Die Projekte der HGHI sind wirklich beeindruckend. Mit dem CEO Herrn Huth tausche ich mich regelmäßig aus und erkundige mich immer nach dem aktuellen Stand bzw. ob es neue Projekte gibt. Wenn es die Zeit irgendwie zulässt, versuche ich mir das ein oder andere Projekt auch einmal anzuschauen. Auch privat bin ich in dem Markt etwas aktiv, da es aus meiner Sicht wichtig ist, auch an die Zukunft zu denken und durch Geldanlagen in diesem Bereich vorzusorgen.

World-Cup-Sieg, Gewinn der China Open, Weltranglisten-Erster – das Jahr 2018 war für Dich ein voller Erfolg. Danach musstest Du verletzungsbedingt lange pausieren. Wie schwer war dieser Rückschlag für Dich?

Es war die erste schwere Verletzung meiner Karriere, daher auch keine einfache Phase. Ich war sehr froh, dass ich dann nach mehreren Anlaufversuchen ein halbes Jahr später endlich wieder schmerzfrei trainieren konnte. Aber es ist fast unmöglich direkt wieder an die alten Erfolge anzuknüpfen. Als es am Anfang noch nicht so gut lief und ich durch die Umstrukturierung des Weltranglisten-Systems schnell um einige Plätze gefallen bin, leidet natürlich das Selbstbewusstsein etwas darunter. Mittlerweile fühle ich mich aber spielerisch wieder sehr gut und bin auf einem guten Weg zu alter Stärke. Dann kommen die Erfolge auch wieder.

Wie stark belastet Dich eine Niederlage und welche Lehren ziehst Du daraus?

Niederlagen ärgern mich im ersten Moment sehr, da ich ein Perfektionist bin. Sie helfen mir aber auch dabei, mich zu verbessern. Rückschläge gehören einfach dazu, man muss nur lernen damit richtig umzugehen. Ich habe gelernt, mehr Geduld mit mir zu haben und mich schneller wieder auf das nächste Ziel zu fokussieren.

Du hast vier Olympia-Medaillen, bist mehrfacher Europameister und gehörst neben Timo Boll zu den erfolgreichsten Tischtennis-Profis in Deutschland. Musst Du Dich manchmal selbst kneifen?

Ich habe immer davon geträumt eine olympische Medaille zu gewinnen und auch einmal Europameister zu werden. Als ich dies dann erreicht habe, hat mich der Ehrgeiz gepackt und ich habe mir neue Ziele gesetzt, wollte es nochmal und besser schaffen. Dass es mittlerweile so viele Erfolge geworden sind, ist wirklich unglaublich. Aber mein Ehrgeiz ist noch der alte und das treibt mich bis heute jeden Tag an, hart dafür zu trainieren und an meine Grenzen zu gehen.

Wolltest Du schon immer Tischtennis-Profi werden?

Definitiv, ich habe es ja förmlich in die Wiege gelegt bekommen. Meine Eltern waren beide Tischtennis-Spieler, mein Vater sogar Nationalspieler und sowjetischer Meister. Somit wurde ich von ihnen schon sehr früh gefördert. Als dann auch die ersten Erfolge bei den Mini-Meisterschaften kamen, hat es mir großen Spaß gemacht und mich angespornt weiterzumachen. Ich wollte unbedingt Profi werden, meine Leidenschaft zum Beruf machen. Dies hat zum Glück funktioniert.

Gab es für Dich rückblickend eine Schlüsselszene für Deine bisher so erfolgreiche Karriere?

In meiner bisherigen Karriere gab es sicherlich schon einige davon, z.B. als ich zum ersten Mal ein Spiel für die deutsche Nationalmannschaft bestritten habe, 2007 für die EM nominiert und dann mit Deutschland zum ersten Mal Europameister wurde. Da hatte ich das Gefühl, dass ich Teil einer großen Generation werden kann. Auch wenn viele nicht daran geglaubt hatten, habe ich mich 2008 für Olympia qualifiziert und 2012 auch eine Medaille erringen können. Es gab aber auch schwere Momente, die mich geprägt haben, wie z.B. die Niederlage bei den Olympischen Spielen 2016 und die Verletzung. Sowohl von Siegen als auch von Niederlagen habe ich einiges gelernt und diese haben mich geprägt.

Was hast Du wem am meisten zu verdanken?

Schwierig zu sagen, da es einige Menschen gibt, ohne die ich diesen Weg nie hätte gehen können. Insbesondere natürlich meine Eltern. Mein Vater ist bis heute mein Trainer und Mentor. Meine Frau und Tochter geben mir enorm viel Kraft. Auch meinen bisherigen Trainern und Partnern wie der HGHI habe ich viel zu verdanken. So etwas ist nur in einer großen Teamarbeit zu schaffen.

Gibt es im Tischtennis auch Freundschaften, die Du pflegst?

Klar, gibt es auch Freundschaften. Mit Timo spiele ich jetzt schon knapp 15 Jahre zusammen. Wir haben sehr viel zusammen erlebt und durften auch schon viele gemeinsame Titel feiern. Wir haben so viele gemeinsame Trainingseinheiten absolviert, waren im selben Verein, waren schon im Urlaub zusammen und ich hatte eine Zeit lang sogar ein Zimmer in seinem Haus. Auch mit Vladimir Samsonov spiele ich bereits 10 Jahre im selben Verein. Das schweißt natürlich zusammen. Aber an der Platte muss man es dann ausblenden, denn jeder möchte gewinnen.

Hast Du ein Erfolgsrezept für den Tischtennis-Nachwuchs?

Erstmal ist es wichtig immer Spaß dabei zu haben. Wenn man etwas mit großer Leidenschaft macht, setzt man sich mehr dafür ein und verfolgt seine Ziele stärker. Das heißt aber auch diszipliniert zu sein und auch dann zum Training zu gehen, wenn man gerade nicht so große Lust hat. Optimal ist ein guter Mix aus Training und Wettkämpfen.

Dein Vater Michail ist zugleich Dein Trainer. Das ist sicherlich nicht immer ganz einfach oder?

Ja, das stimmt. Wir haben schon immer zusammen sehr viel und intensiv trainiert. Natürlich hat man auch mal eine Meinungsverschiedenheit, aber ich habe gehört, dass das Verhältnis zwischen trainierenden Elternteilen und Ihren Kindern meist sehr schwierig ist. Das war bei uns nie so. Es gibt keinen, der mich so gut kennt wie er. Klar fordert mich mein Vater ständig, aber er möchte ja nur, dass ich mich verbessere. Wir arbeiten eigentlich immer sehr harmonisch miteinander. Er weiß, wann er die Zügel fester anziehen, aber auch lockerer lassen muss. Das ist optimal.

Aktuell führt der Chinese Xu Xin die Tischtennis Weltrangliste an, gefolgt von seinen Landsmännern Lion Gaoyuan und Fan Zhendong. Wie siehst Du den Abstand zur Tischtennis-Nation China?

Die Chinesen sind extrem stark und haben die Top-Positionen wieder komplett für sich eingenommen. Aber auch sie haben Schwächen und haben zuletzt auch immer mal wieder eine Niederlage einstecken müssen. Bei der WM zum Beispiel hat es mit Matthias Falck ein Europäer ins Finale geschafft. Bei den China Open hatte ich mehrere Matchbälle gegen Gaoyuan und hätte es auch sicherlich gewinnen müssen. Die Chinesen sind immer Favorit, aber sie sind auch bei weitem nicht unschlagbar. Wir glauben an unsere Chance in Richtung Olympia.

In China bist Du nicht zuletzt aufgrund Deiner Einsätze in der Super League prominent, während Du in Deutschland weitestgehend unbehelligt über die Straße gehen kannst. Wie betrachtest Du dieses Leben zwischen zwei Welten?

In China ist Tischtennis Volkssport Nummer Eins und hat dort eine ganz andere Bedeutung. Es läuft im Fernsehen rauf und runter. Daher verfolgen zig Millionen Menschen auch die Super League und kennen alle Spieler. Den Bekanntheitsgrad kann man in etwa mit dem eines Fußball-Nationalspielers hier in Deutschland vergleichen. Die Anerkennung ist schon sehr schön, aber ich bin auch froh, wenn ich in Deutschland dann eher ein ruhigeres Umfeld habe. Zwar werde ich auch hier ab und zu nach einem Autogramm oder Bild gefragt, aber ich kann auch mein Privatleben genießen. Das hat viele Vorteile und schützt auch meine Familie.

Was sind aus Deiner Sicht die größten Unterschiede im deutschen und chinesischen Tischtennis-sport?

Als Volksport Nummer Eins erhält Tischtennis in China eine enorme Förderung. Das gesamte System ist einfach riesig und voll darauf ausgelegt, Top-Spieler zu entwickeln. Bereits im Kindesalter von 4-5 Jahren, gibt es erste Nationalmannschaften. Auch die Schulen unterstellen sich dem und kürzen die Lerneinheiten, damit die Kinder mehr trainieren können. So entwickelt sich eine Sportart natürlich ganz anders.

China hat nicht nur im Tischtennis einen exzellenten Ruf, sondern wird im Westen auch als Wirtschaftsmacht gefürchtet. Zurecht?

Ich denke, dass jeder mittlerweile gemerkt hat, was China für eine Wirtschaftsmacht ist. Sie sind technologisch sehr weit entwickelt und arbeiten ununterbrochen an neuen Dingen. Wenn sie sich etwas vornehmen, dann tun sie auch alles dafür, es zu erreichen. Auch die Verbindungen zu Deutschland sind sehr gut, es gibt einen Austausch in vielen Bereichen und chinesische Firmen kaufen sich bei deutschen Firmen ein. Solange es ein Win-Win für alle ist, spricht sicherlich nichts dagegen.

Viele Sportler halten auch (Motivations-) Vorträge vor Wirtschaftsvertretern. Gibt es Dinge, die Du aufgrund Deiner Erfahrungen als Profisportler der Wirtschaft raten würdest?

Es wäre bemessen, wenn ich der Wirtschaft etwas raten würde. Ich denke eher, dass man gut mit- und voneinander lernen kann bzw. mehr zusammenarbeiten sollte. Als Sportler bringt man viele wichtige Eigenschaften mit, die in der Wirtschaft relevant sind, z.B. Disziplin, Ehrgeiz, Lösungs-orientierung, Erfolgsdenken, Umgang mit Stresssituationen und Niederlagen. Im Gegenzug würde dem Sport aber auch die Professionalisierung, Anwendung von Technologien und Verfahrensweisen der Wirtschaft gut tun.

Kommen wir zurück zum Sport. Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Dir aus?

Mein klassischer Trainingstag sieht so aus, dass ich gegen 8 Uhr mit meiner Tochter Richtung Tischtennishalle losfahre und sie auf halben Weg im Kindergarten absetze. Um halb neun bin ich dann in der Halle und mache ein 30-minütiges Aufwärm-/Stabilitätsprogramm. Danach folgt dann ein Aufschlagtraining bis 9:30 Uhr. Weiter geht es mit zwei Stunden Tischtennistraining. Zur Regeneration gibt es dann Stretching, ein Eisbad oder eine Massage. Nach dem Mittagessen geht es von ca. 15-18 Uhr wieder zur zweiten Trainingseinheit mit Tischtennis- und Athletik-Training. Auch hier gibt es dann noch eine kurze Regenerationsmaßnahme, bevor es abends nach Hause geht.

In welcher Verfassung befindest Du Dich aktuell?

Ich komme gerade von einer längeren Phase von Wettkämpfen. Mit dem Champions League Gewinn mit meinem Verein, dem Team-Erfolg mit der Nationalmannschaft bei den European Games und somit der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 sowie dem sehr engen Match gegen die Nummer 2 der Welt, habe ich viele gute Spiele zeigen können. Das zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Jetzt mache ich eine 10tägige Sommerpause, um mit neuer Frische dann die nächsten Aufgaben erfolgreich angehen zu können.

Nächstes Jahr stehen die Olympischen Spiele in Tokio an. Wie bereitest Du Dich darauf vor?

Mit einer guten Mischung aus vielen harten Trainingseinheiten, Turnieren, aber auch ein paar Regenerationsphasen. Ich möchte die Zeit bis dahin nutzen, um wieder meine alte Stärke zu erlangen, sowohl sportlich als auch mental. Da ich jedes Jahr sehr viel Zeit in Asien verbringe, kenne ich die Bedingungen und das Umfeld vor Ort, so dass ich wohl keine Probleme einer Umstellung haben werde. Das hilft mir den Fokus auf mein Spiel zu legen. Ich freue mich sehr auf die Spiele in Tokio und möchte unbedingt eine Medaille mit nach Hause nehmen.

Was unternimmst Du, wenn Du nicht gerade zum Tischtennisschläger greifst?

In der Sommerpause spiele ich gerne Tennis, gehe auf verschiedene Spielplätze mit meiner Tochter, gehe mit meiner Frau ins Kino oder wir laden Freunde zu uns nach Hause ein. Zeit mit Familie und Freunden verbringen ist das Schönste, was man machen kann, wenn man etwas Zeit hat.

Wo siehst Du Dich in den nächsten fünf Jahren?

Ich denke die nächsten fünf Jahre sind noch einmal die allerwichtigsten in meiner Karriere bzw. die letzten Jahre, wo man alles rausholen und auf absolutem Weltniveau spielen kann. Mit 35 Jahre erreicht man so langsam das sportliche Limit. Dann kann man aber mit der Erfahrung einiges wett machen. Tokio 2020 und Paris 2024 sind noch meine absoluten Highlights, die ich auf jeden Fall machen möchte.

Hast Du schon Pläne für die Zeit nach Deiner Karriere?

Noch nicht, vieles ist möglich. Ich finde eine Aufgabe im Tischtennis-Management interessant, aber auch das Thema Immobilien ist spannend. Vielleicht gibt mir die HGHI einen Einstieg (Augenzwinker).

Dima Ovtcharov
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