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„Dem deutschen Mittelstand gebührt eine viel bessere Plattform“

Interview mit Mario Ohoven

Der Mann des Mittelstandes, Mario Ohoven ist bekannt für seine Wirtschafts- und Kapitalmarktprognosen. Seit ca. 30 Jahren ist der gelernte Banker im Bereich Vermögensanlagen tätig. 1997 zum Präsidenten des Wirtschaftssenats berufen, wurde er 1998 zum Präsidenten des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) – der stärksten Kraft des freiwillig organisierten Mittelstands – gewählt. Wie sich der deutsche Mittelstand in den vergangenen 20 Jahren verändert hat und welche Herausforderungen anstehen - das hat er uns im Interview verraten.

Wie hat sich der deutsche Mittelstand seitdem verändert?
Der Mittelstand hat sich kolossal verändert. Und ich glaube sagen zu können, unser Verband, der BVMW, hat hierzu ganz entscheidend beigetragen. Nur ein Beispiel: Deutschlands Mittelständler sind viel internationaler als noch vor ein paar Jahren. Wir unterstützen sie dabei, zum Beispiel durch unser weltweites Netz eigener Auslandsbüros. Und der deutsche Mittelstand ist heute deutlich selbstbewusster, weil er mit einer starken Stimme spricht. Hinter uns stehen mehr als 900.000 Mitglieder in der Mittelstandsallianz, die ja auch alle Familien haben und Wähler sind. Daran kommt kein Politiker mehr vorbei.  

Warum haben Sie sich damals in den Dienst der deutschen Mittelständler gestellt?

Weil dem deutschen Mittelstand eine viel bessere Plattform gebührt und eine schlagkräftige Lobby fehlte. Es hat mich schon immer maßlos geärgert, dass Politiker die mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer in ihren Sonntagsreden über den grünen Klee loben, aber von montags bis freitags knallharte Konzernpolitik betreiben. Ich habe damals auf eigene Kosten ganzseitige Anzeigen in vielen großen Tageszeitungen geschaltet. Die Botschaft war klar: Wenn der Mittelstand sich nicht wehrt, wird er weggekehrt. Ich wollte dem unternehmerischen Mittelstand die politischen Rahmenbedingungen verschaffen, die er braucht und auch verdient. Dies war und ist mein wichtigstes Ziel. Und dafür kämpfe ich seit mehr als 20 Jahren mit Herzblut, Leidenschaft und ganzer Kraft.

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrem Job als BVMW-Präsident?
Dass ich an der Spitze unseres Verbandes für die Mittelständler ganz konkreten Nutzen stiften kann. Wir haben sehr viel erreicht, sei es mit der Mittelstandsklausel bei Basel III, der Entschärfung der Erbschaftsteuer, der Einstellung von ELENA oder der Verdoppelung der Schwellenwerte bei der Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter, um nur mal einige unserer politischen Erfolge aus jüngerer Zeit zu nennen. Das findet entsprechend Anerkennung und ist eine Hilfe für die Unternehmer. Der BVMW wächst kräftig weiter, und zwar gegen den Trend in der deutschen Verbandslandschaft. So soll es auch bleiben.

Was sind die heutigen Herausforderungen für Ihren Sektor (insbesondere: bei Immobilien)?
Ich beobachte mit größter Sorge, wie Teile der Gesellschaft unsere Wirtschafts- und Werteordnung radikal in Frage stellen. Dass mittlerweile selbst Politiker die Enteignung von Grundeigentum fordern, hätte ich bis vor kurzem für undenkbar gehalten. Und dies ausgerechnet hier in Berlin, 30 Jahre nach dem Mauerfall. Dieselben Politiker wollen weiter an der Steuerschraube drehen, damit sie ihren Umverteilungsfuror finanzieren können. Und das, obwohl schon heute 57 Prozent des Bundeshaushalts für Soziales draufgehen, der Anteil der Investitionen dagegen nur bei elf Prozent liegt. Wer so handelt, zerstört vorsätzlich und systematisch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland.

Was ist der größte Fehler der Politik in Bezug auf den Fachkräftemangel? Was schlagen Sie vor?
Der akute Fachkräftemangel – über 92 Prozent der Mittelständler haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen – hat demografische und hausgemachte Ursachen. Bei den letzteren gilt es anzusetzen. Es hat beispielsweise keinen Sinn, den Facharbeitermangel zu beklagen, wenn man gleichzeitig die Realschule und die Berufliche Bildung zugunsten der akademischen Bildung benachteiligt. Wie schlecht es insgesamt um die Bildung bei uns bestellt ist, zeigen folgende Horrorzahlen: In Deutschland sind 2,1 Millionen der unter 35-Jährigen ohne Berufsabschluss, fast 50.000 junge Menschen jährlich schaffen nicht einmal den Hauptschulabschluss, rund 7,5 Millionen Erwachsene gelten als funktionale Analphabeten, und bundesweit sind derzeit 1.000 Grundschulleiter-Posten unbesetzt.

Dazu kommt, unsere Schulen bilden häufig noch immer zu praxisfern aus. Wir fordern deshalb seit Jahren ein eigenes Schulfach Wirtschaft und Pflichtpraktika für Lehrer in Betrieben, etwa nach dem Vorbild Dänemarks. Auch an der Vermittlung unternehmerischen Denkens hapert es. Dann müssen wir uns nicht wundern, dass heute nur noch einer von 100 ein Unternehmen gründet. Vor zehn Jahren waren es noch 3 von 100, auch das kein überragender Wert im europäischen Vergleich. Inzwischen stehen 1,3 Millionen Azubis mehr als doppelt so viele Studierende gegenüber. Macht die Politik weiter wie bisher, gehen uns über kurz oder lang die Unternehmer aus.

Welche Vorteile hat aus Ihrer Sicht ein inhabergeführtes Mittelstandsunternehmen wie die HGHI zum Beispiel gegenüber einer Aktiengesellschaft?
MO: Inhabergeführte Unternehmen bilden das Rückgrat des Mittelstands und damit unserer Wirtschaft. Sie sind flexibel, krisenresilient, vielfach hoch spezialisiert und zeichnen sich durch flache Hierarchien aus. Mittelständler wissen, wie man Chancen erkennt und erfolgreich realisiert. Als Eigentümer wirken sie wie Inkubatoren und sind oft Treiber ihres wirtschaftlichen Umfelds. Dank voller Konzentration auf die Kunden und ihre individuellen Anforderungen sowie dank ständiger Innovation in der gesamten Wertschöpfungskette werden überdurchschnittliche Wertsteigerungen erzielt.

Der vielleicht wichtigste Unterschied zu einer AG oder einem Konzern ist jedoch, dass Mittelständler in langen Zeiträumen, oftmals Generationen denken. Sie sind gerade nicht auf den schnellen Gewinn aus, damit die Quartalszahlen stimmen, sondern sie wollen Bleibendes schaffen. Das spiegelt auch die gelebte soziale Verantwortung der Inhaberunternehmer für ihre Beschäftigten wider.

Der BVMW bezeichnet sich als die „Stimme des Mittelstands“. Was sagt denn diese Stimme zu der Situation des deutschen Mittelstands 2019? Wie stehen die mittelständischen Unternehmen da und wie sollten sie dastehen?
Da ist zu unterscheiden, wie die Mittelständler in einer aktuellen Umfrage unseres Verbandes ihre eigene wirtschaftliche Lage einschätzen, und welche Entwicklung sie für die deutsche Wirtschaft insgesamt in diesem Jahr erwarten. Geht es um das eigene Unternehmen, dann zeigen sich die Unternehmer für 2019 zu fast 90 Prozent zuversichtlich. Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei der Prognose zur Konjunktur: Mehr als 50 Prozent der Mittelständler sehen Deutschland auf dem Weg in die Rezession.

Der Mittelstand erwartet von der Bundesregierung jetzt einen haushaltspolitischen Kurswechsel und eine klare Wachstumsstrategie gegen den Abschwung. Dazu gehört mehr Wagniskapital, damit Deutschland wieder Gründerland wird. Wir brauchen eine steuerliche Forschungsförderung für innovative Klein- und Mittelbetriebe, und wir brauchen vor allem deutlich mehr Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, also unsere Zukunft. Hier stimmen einfach die Relationen nicht: Das Rentenpaket schlägt mit über 36 Milliarden Euro bis 2025 zu Buche, aber für die Förderung der Künstlichen Intelligenz sind nur 500 Millionen vorgesehen.

Welche Vorteile hat es, als Mittelständler Teil Ihres Netzwerkes zu sein (Mitglied beim BVMW zu sein)?
Der BVMW bietet seinen Mitgliedern eine Reihe exklusiver Vorteile. Das beginnt schon bei der persönlichen Betreuung vor Ort durch unsere über 300 Repräsentanten – ein Alleinstellungsmerkmal unseres Verbandes. Dazu kommen die verbandseigenen Auslandsbüros, die den Weg auf die Wachstumsmärkte weltweit ebnen. Jedes Mitglied ist Teil einer starken Solidargemeinschaft und zugleich des größten Unternehmernetzwerkes in Deutschland. Ich kenne auch keinen anderen deutschen Mittelstandsverband, der jährlich über 2.000 attraktive Veranstaltungen zu allen mittelstandsrelevanten Themen organisiert. Und der den Mittelstand so erfolgreich wie wir gegenüber der Politik auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene vertritt. Dafür gibt es jede Menge Beispiele: Von A wie Altersvorsorge für Selbstständige, über den Mitarbeiterwohnungsbau, um Fachkräfte zu finden und an den Betrieb zu binden, bis hin zum Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), wo wir uns gerade für eine deutliche Aufstockung einsetzen. Das alles schafft für unsere Mitglieder unmittelbaren Nutzen und sichert so ihre unternehmerische Zukunft.

Mario Ohoven
Mario Ohoven
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