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„Zeitlose Architektur ist das Wichtigste“

Architekt Max Dudler über seinen Baustil und Bibliotheken als Kontakthof

Der renommierte Schweizer Architekt Max Dudler hat mehr als 350 Projekte realisiert, darunter die Berliner Humboldt Bibliothek, das Bundesverkehrsministerium oder das Credit Swiss Hochhausensemble in Zürich. Auch an vielen HGHI-Projekten hat Dudler mitgearbeitet. Im Gespräch verrät er, woran man seinen Stil erkennt und was er mit dem Bundesrat vor hat.

Wie würden Sie die Architektur des vergangenen Jahres beschreiben?

Super gut! Im vergangenen Jahr war politisch und gesellschaftlich vieles im Umbruch. Auch in der Kunst und in der Architektur ist eine gewisse Veränderung zu erkennen. Es scheint als wäre das Jahr der Anfang eines größeren Umbruchs gewesen, der uns alle in verschiedenen Bereichen betrifft.

Es heißt, Ihr Architekturstil sei „vom Rationalismus der Gegenwartsarchitektur geprägt", „durchsetzt von einem Schweizer Minimalismus". Stimmt das?

Das kann man so stehen lassen. Natürlich haben wir uns aber auch weiterentwickelt. Wir sind sinnlicher, skulpturaler geworden. Unseren konzeptionellen Rationalismus erkennt man auch anhand der guten Materialien und der Zurückhaltung. Zeitlose Architektur ist das Wichtigste! Auch heute noch, wo wir zum Beispiel gerade auch die achte Bibliothek bauen. Bauten wie Bibliotheken sollen schließlich auch noch in 100 Jahren bestehen und genutzt werden. Einfachheit und Zeitlosigkeit sind dabei entscheidend.

Warum?

Heute heißt es oft: „Das Buch ist tot“. Aber stimmt das überhaupt? Es werden stetig neue Bibliotheken gebaut - Räume, in denen Leute aufeinandertreffen, sich miteinander austauschen und gemeinsam Zeit verbringen. Genau darum geht es doch. Neulich habe ich gehört, dass die Bibliothek der Humboldt Universität als der größte Kontakthof Berlins gilt! Das kommt doch nicht von ungefähr. Ich erinnere mich, als ich etwa 14 oder 15 Jahre alt war und mir Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir imponiert haben, weil sie ständig mit einem Buch unter dem Arm durch die Stadt gelaufen sind. Das hatte für  mich etwas von Großstadt, sinnvollem Leben und Weitblick, das wollte ich auch. Also bin ich als Heranwachsender auch mit einem Buch unter dem Arm aus dem Haus gegangen.

Wird man Max Dudler an der Erweiterung des Bundesrates erkennen?

Wir glauben an bestimmte Themen und bestimmte Methoden. Aber unser Ziel ist nicht ein bestimmter Dudler Stil. Vielleicht werden Sie uns an den skulpturalen Elementen erkennen, mit denen wir auch dort arbeiten. Es ist schon eine Ehre, an der Erweiterung dieses historischen und politischen bedeutenden Gebäudes mitzuarbeiten. Wir kümmern uns dort insbesondere um den Ausbau des Besucherzentrums. Das Ziel ist die zeitgemäße Ergänzung dieses historischen Bauwerks, ein sinnvolles Weiterbauen. Durch die Erweiterung haben aber auch die Landesminister bald mehr Platz zur Verfügung, 600 Arbeitsplätze entstehen.

Sie haben an vielen HGHI-Projekten mitgewirkt. 2018 haben wir in Tegel die Grundsteinlegung der Fußgängerzone gefeiert, für 2019 ist das Richtfest geplant.

Das Tolle ist, dass dort eine richtige Straße gebaut wird, ein kompletter Straßenzug. Es wird gewissermaßen eine kuratierte Straße, an der sich ausgewählte Geschäfte ansiedeln werden. Dadurch wird sich die Gorkistraße zu einem besonderen Einkaufsquartier mit völlig neuem Charakter entwickeln. Man kann das Projekt und dessen Ziel gut mit dem neuen Quartier am Bahnhof in Zürich vergleichen. Die Stadt ist an dieser Stelle mit stattlichen Gebäuden bebaut, es ist ein Erlebnis für sich, sich dort aufzuhalten. Das wird auch im Berliner Norden passieren: Einkaufen als Erlebnis und nicht als Mittel zum Zweck. Spazierengehen und flanieren in einem eleganten städtischen Raum - ginge es nach mir, wären Projekte dieser Art die Zukunft der Stadtentwicklung.

Was ist das Besondere an einem Refurbishment?

Dieser Begriff missfällt mir, denn er erklärt nicht unmittelbar, worum es in der Gorkistraße geht: Wir bauen eine Straße als Ort, an dem Leute zusammenkommen, gemeinsam leben, sich austauschen, Zeit verbringen und auch einkaufen. Die Gorkistraße wird das Zentrum eines neuen Einkaufsviertels sein. Ich begrüße es, dass wir das Architekturbüro Ordner und Ordner für dieses Projekt an Bord geholt haben. Gemeinsam werden wir diesen neuen Stadtraum angemessen gestalten. Im Übrigen ist das Vorhaben als solches etwas Besonderes. Sanierungen von kompletten Straßen in dieser Form sind mir nicht bekannt.

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