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„Das Tegel-Quartier ist einmalig in Deutschland“

Interview mit Max Dudler und Manfred Ortner

Max Dudler, ein Schweizer, und Manfred Ortner, ein Österreicher,  sind zwei Architekten der ersten Stunde und seit über 30 Jahren miteinander befreundet. In ihrem ersten Doppelinterview sprechen die beiden über ihr gemeinsames HGHI-Projekt Gorkistraße / Tegel-Quartier, die konzeptionellen Ansätze des Anderen und die zukünftige Entwicklung Berlins.

Zwei hochkarätige Architekten sitzen mir gegenüber. Herr Ortner, Sie sind sogar zum ersten Mal im Büro von Herrn Dudler...

Manfred Ortner: Es ist eine Ehre, dass er uns in diesen Kreativbunker eingeladen hat.
Max Dudler: Gern geschehen. Du bist jederzeit willkommen.

Sind Sie beide denn gar keine Konkurrenten?

Manfred Ortner: Natürlich sind wir Konkurrenten, aber wir sind auch befreundet.
Max Dudler: Jeder Architekt ist ein Konkurrent, aber mit einigen bin ich auch befreundet, unter anderem mit Manfred.
Manfred Ortner: Manche unserer Arbeiten haben viele Berührungspunkte, sowohl was die Aufgaben und den Stil betreffen. Ich mag die Werke vom Max zum Beispiel sehr, auch wenn man sie manchmal vielleicht noch ein bisschen verfeinern könnte.

Darf man denn die Werke eines Konkurrenten, auch eines befreundeten, überhaupt gut finden?

Manfred Ortner: Unbedingt!
Max Dudler: Sowieso. Wenn  Freunden gute Hütten entwerfen, muss man das gut finden.

Wie lange kennen Sie sich denn schon?

Manfred Ortner: Ja, wie lange kennen wir uns eigentlich? Ich weiß es gar nicht genau: 25, 30 Jahre?
Max Dudler: 30 Jahre.

Und Sie tauschen sich regelmäßig aus?

Manfred Ortner: Das ist übertrieben. Der Max zeigt mir immer seine wunderbaren Projekte. Ich will ihm meine nicht so zeigen oder kann es nicht – nein, ein Scherz. Aber klar, wir sehen die Sachen des anderen.

Herr Dudler, Sie verfolgen ähnliche Ansätze wie Herr Ortner, unter anderem die Transformation des Historischen in die Gegenwart.

Max Dudler: Das ist richtig. Nehmen Sie als Beispiel das Schultheiss Quartier, in dem wir die Tradition des Brauereiwesens mit der Moderne des Einkaufens verschmolzen haben. Das ist aber auch nur einer meiner Ansätze, etwas aus der Geschichte in die Gegenwart zu transformieren.

Herr Ortner, Ihr Ansatz ist vor allem die Verbindung von Kunst und Architektur?

Manfred Ortner: Ja, das ist Teil unserer Firmengeschichte. Vom Grundsatz her ist mein Ansatz aber ähnlich wie beim Max. Vielleicht ist bei uns die Intention ein bisschen stärker, die Sachen hervorzuheben, die es vor Ort gibt. Unsere Arbeiten kann man nicht über einen Kamm scheren, sie sind je nach Ort und Auftrag relativ unterschiedlich. Das ist wohl der Hauptunterschied.
Max Dudler: Ich empfinde das nicht als Unterschied.
Manfred Ortner: Egal, wo ich auf der Welt bin und etwas sehe, denke ich: Das ist vom Max!
Max Dudler: Die Frage ist doch immer, ob man eine Haltung hat oder nicht. Dann erkenne ich, ob es vom Ortner oder vom Dudler ist. Nehmen Sie das Berliner Stadtschloss. Auf der Visualisierung sieht man einerseits die Vision des Neuen und andererseits ein Foto aus der Vergangenheit, wie es mal aussah. Wenn man das heute sieht und vergleicht, muss ich schon sagen, dass der Schinkel mit der Frühmoderne von der Bauakademie Jahrzehnte, gar Jahrhunderte seiner Zeit voraus war. 
Manfred Ortner: Ich glaube sehr wohl, dass Du städtebaulich auf die Dinge detaillierter eingehst. Wir gehen hingegen ein bisschen sperriger damit um, wir gehen vielleicht ein bisschen weniger detailverliebt damit um, was den Bauten bis zu einem gewissen Grad das gewisse Etwas, sogar etwas Ruppiges, gibt. In Bezug auf Kunst und Architektur interessiert mich schon immer, dass jedes Gebäude irgendwo auch einen Kick bekommt, also das heißt wenn ich mich auf irgendeine klassische oder rationale Art einlasse, muss es irgendetwas geben, was dem widerspricht, was dem irgendwo etwas gibt, was das auflöst oder was es vielleicht weitertreibt und das ist die Idee, die eigentlich aus der Kunst kommt. Kunst hat immer irgendeine Art von Stachel. Das schönste Bild, die herrlichste paradiesische Landschaft, muss irgendwo einen Stachel haben, sodass man denkt: Irgendwas ist da falsch, wo lauert eigentlich die Schlange. Ich denke, dass das bei Gebäuden auch notwendig ist. Und wenn es nur eine Art Geheimnis, etwas nicht Aufzulösendes ist.

Was ist der ,Kick’ bei unserem Projekt Gorkistraße / Tegel-Quartier? Stammt das ,Ruppige’ von Herrn Ortner und das Detailverliebte von Herrn Dudler?

Max Dudler: Da geht’s um ganz was anderes. Das Tegel-Quartier ergibt auf einmal wieder einen Straßenraum mit Häusern entlang dieser Straße. Das ist kein Center oder ein Einkaufszentrum, sondern...
Manfred Ortner:...das ist ein Stück Stadt.
Max Dudler: Genau. Das Tegel-Quartier ist die Chance gewesen, ein Stück Stadt zu bauen, mit zwei Architekten, mit unterschiedlichen Haustypologien. Das ist einmalig in Berlin.

Auch in Deutschland?

Max Dudler: Absolut. Dass man einen Straßenraum so definiert, dass vorwiegend eingekauft aber wo auch gearbeitet wird. Ortner & Ortner bauen auf der einen Seite für den Einzelhandel und wir gestalten auf der anderen Seite Büroflächen. Durch diese Mischnutzung entsteht ein Stück Stadt. Das wird von der Bevölkerung besser angenommen als monolithische Werke, wo nur eingekauft oder nur gearbeitet wird. Wir müssen die Stadt von den Nutzungen her wieder vielfältig machen, nicht von der Architektur her.
Manfred Ortner: Das ist etwas, was ein Bauherr der Stadt zurückgeben muss. Er kann nicht einfach nur sagen: Ich brauche Verkaufsfläche, bitte genehmige das, liebe Stadt und alles wird genehmigt und dann entsteht wieder das nächste Einkaufszentrum, das eigentlich niemand wollte. Wenn Sie so wollen, ist das für einen Bauherren eine ehrenvolle Aufgabe, der Stadt ein Stück Stadt wieder zurückzugeben. Das ist etwas Besonderes. Gleichzeitig ist es auch eine Herausforderung, dass man zu zweit ein großes Stück Stadt baut und trotzdem diesem erkennbaren Ganzen eine gewisse Vielfalt verleiht. Deswegen bin ich natürlich sehr froh, dass der Max uns letztlich eingeladen hat, am Tegel-Quartier mitzuwirken.

Manfred Ortner und Max Dudler
Manfred Ortner und Max Dudler
Max Dudler
Max Dudler
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