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„Der Markt wird sich weiter bereinigen“

Interview mit Patrick Zahn, Vorsitzender der Geschäftsführung der KiK Textilien und Non-Food GmbH

Ein beliebter Einzelhändler in unseren Objekten Schultheiss Quartier, Geschäftszentrum Mariendorfer Damm und der Sankt Annen Galerie ist der Textil-Discounter KiK. Welche Einzelhandelsstrategie verfolgt KiK in Deutschland? Und wie steht das Unternehmen zum Preisdumping? Über diese und weitere Themen haben wir mit KiK-CEO Patrick Zahn gesprochen.

Herr Zahn, Ihr Unternehmensname KiK steht für Kunde ist König. Was unternehmen Sie und Ihre 22.000 Mitarbeiter, um dieses zentrale Kundenversprechen tagtäglich zu erfüllen?

Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden Kleidung, Accessoires und Dekorationsartikel in guter Qualität zu kleinen Preisen kaufen können. Unsere Stärke ist, dass wir dort sind, wo die Menschen wohnen. Keine andere deutsche Textilfirma hat so viele Filialen in Deutschland wie KiK. Wir sind eben nicht nur in den Großstädten mit Vorzeige-Filialen, sondern auch in kleinen und mittleren Städten präsent, in denen wir häufig der einzige Anbieter von Kleidung überhaupt sind.

Welche Einzelhandelsstrategie verfolgen Sie?

Wir sind überzeugt, dass in Zeiten von Digitalisierung und Online-Shopping der stationäre Handel die wichtigste Säule darstellt. Die Menschen wollen Artikel anfassen, Kleidung anprobieren, durch Geschäfte streifen und dabei Schönes entdecken. Niemand will doch in Städten leben, in denen Gewerbeflächen veröden und nur noch Paketzusteller durch die Gegend fahren. Daher halten wir an unseren Filialen und dem stationären Handel fest. Natürlich wollen wir aber auch die Kunden erreichen, die gerne online einkaufen und bieten dafür unseren Online-Shop an. Berufstätige, die tagsüber nicht zu Hause sind, können die Pakete auch in unseren Filialen abholen. Schließlich haben wir mehr Filialen als die Deutsche Post und längere Öffnungszeiten noch dazu.

Mit einem Umsatz von fast zwei Milliarden Euro sind Sie der fünftgrößte deutsche Textilhändler. Die Hälfte Ihrer jährlich rund 311 Mio. Textilien produzieren Sie in China. Warum?

China ist ein Beschaffungsland, aber der größte Teil unserer Textilien stammt aus Bangladesch, Pakistan und der Türkei. Fast alle Textilhersteller, egal ob teuer oder günstig, lassen in diesen Ländern produzieren, weswegen die Bekleidungsindustrie für die Volkswirtschaften dieser Länder eine sehr wichtige Rolle spielt. Im Übrigen fördert auch die Europäische Union die Produktion in Asien, indem sie einigen asiatischen Staaten Zollvorteile für Textilprodukte gewährt.

Werden Sie Ihre Produktion aufgrund des Handelsstreites zwischen China und den USA in andere Länder verlagern?

Wir beobachten die Lage und prüfen, ob es Auswirkungen auf unsere Produktion hat. Gleichwohl muss man auch realistisch bleiben: die Stückzahlen und die Qualität, die wir benötigen, lassen sich nicht einfach mal so woanders beschaffen.

In Deutschland betreiben Sie rund 2.600 Filialen, vier davon in den HGHI-Objekten Geschäftszentrum Mariendorfer Damm, Schultheiss Quartier, Sankt Annen Galerie und Gorkistraße. Bei der Gorkistraße, in der Sie demnächst eine Filiale eröffnen, handelt es sich um eines der bundesweit wenigen Refurbishments einer kompletten Einkaufsstraße. Wie bewerten Sie solch ein Vorhaben?

Ich begrüße es sehr, wenn solche Areale als Einzelhandelsflächen auch abseits der Stadtzentren geschaffen werden. Es besteht Hoffnung, dass im Fall der Gorkistraße der Ortskern von Tegel die alte Anziehungskraft als Fußgängerzone wiedergewinnt. Gerade in einer so großen Stadt wie Berlin, in der die Kiez-Kultur ausgeprägt ist, wollen die Menschen nicht immer lange Wege in die Haupteinkaufsstraßen zurücklegen, sondern ein überzeugendes Shopping-Angebot in ihrem direkten Umfeld wahrnehmen. Wir freuen uns sehr, ebenfalls präsent zu sein und sind zuversichtlich, dort genauso großen Kundenzuspruch zu erfahren wie an den anderen Standorten.

Werden Sie auch an anderen Standorten in Deutschland weiter expandieren?

Europaweit haben wir gegenwärtig rund 3.700 Filialen, bis 2022 wollen wir auf 5.000 Filialen wachsen. In Deutschland sind wir bereits sehr gut vertreten, aber auch hier gibt es noch einige weiße Flecken, insbesondere im Süden der Republik. Den größten Wachstumsschub erleben wir derzeit im europäischen Ausland, insbesondere in Ost- und Südosteuropa wachsen wir sehr stark und eröffnen viele neue Filialen.

Die Nachfrage bestimmt das (Filial-) Angebot und am Ende entscheidet aus Verbrauchersicht immer der Preis. Ihre Preise sind häufig ein Diskussionspunkt in der Öffentlichkeit. Viele fragen sich: Wie kann ein T-Shirt für 2,99 Euro vernünftig produziert werden?

Was viele Verbraucher nicht wissen: Der Preis sagt nur wenig darüber aus, wie ein Produkt hergestellt wurde. Ich besuche regelmäßig Fabriken und kann Ihnen daher aus eigener Anschauung sagen: KiK lässt in den gleichen Fabriken produzieren, in denen auch andere Marken produzieren lassen, auch deutlich teurere Marken. Der Preisunterschied entsteht an anderer Stelle: Zunächst einmal kaufen wir in sehr großen Mengen und haben lange Vorlaufzeiten, so dass die Fabrikbesitzer unsere Order in auftragsschwache Zeiten legen können. Wir lassen nur per Schiff transportieren, was im Vergleich zur Luftfracht deutlich günstiger ist. Und wir halten unsere Marketing-Ausgaben im Rahmen, sind nicht in 1A-Lagen zu finden und haben eine extrem effiziente Logistik. Kurzum: Die eigentliche Frage lautet: Warum sind die anderen so teuer?

Leidet darunter nicht die Qualität?

Wir sind ein textiler Grundausstatter und kein Fast-Fashion-Unternehmen. Darum ist es uns wichtig, dass unsere Produkte gute Qualität haben und langlebig sind. Sowohl unsere Kleidung als auch die Non-Food-Artikel durchlaufen eine aufwändige und mehrstufige Qualitätssicherung, die bereits während der Produktionsphase beginnt und sicherstellt, dass nur Artikel in den Verkauf gelangen, die mindestens alle gesetzlichen Kriterien erfüllen. Als Textilbündnis-Mitglied haben wir uns zudem zu weitergehenden Schritten verpflichtet, wie etwa den Verzicht auf eine Reihe von chemischen Substanzen in der Kleidung.

Was unternehmen Sie in Sachen Nachhaltigkeit?

Wir verstehen unter Nachhaltigkeit den effizienten und sparsamen Einsatz von Ressourcen. Aus dem Bereich des Klimaschutzes haben wir hier einiges vorzuweisen: Wir waren der erste Händler, der Plastiktüten komplett abgeschafft hat. Wir haben alle Filialen auf energiesparende LED-Beleuchtung umgestellt und sparen so eine Menge CO2 ein. Alle Waren werden aus Asien per Schiff oder Bahn transportiert. Nachhaltigkeit ist in unserer Welt aber auch stark mit der Verantwortung für unsere Lieferanten und den Beschäftigten in den Produktionsländern verbunden. Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um die Produktionsstätten in Bangladesch und Pakistan sicherer zu machen, wir führen Fabrikkontrollen durch und achten darauf, dass Sozialstandards eingehalten werden. Seit Jahren arbeiten wir in internationalen Bündnissen wie dem Accord in Bangladesch oder dem deutschen Textilbündnis mit, um die Bedingungen in den Produktionsländern zu verbessern.

Eine der größten Herausforderungen ist die digitale Transformation. Wie verzahnen Sie als stationärer Händler die Online- mit der Offline-Welt?

Wir haben seit 2013 einen Onlineshop und bieten seit kurzem auch die Möglichkeit, Online-Bestellungen in die Filialen liefern zu lassen. Auch Retouren von online gekauften Artikeln sind über die Filialen möglich. Als Discounter achten wir generell auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für unsere Kunden. Dieses Kriterium gilt auch für die weitere Verzahnung von Online- und Offline-Welt.

Wie werden Sie die Bezahlvorgänge so beschleunigen, dass Sie mithalten können mit den Onlineangeboten?

Aktuell gibt es keine Planungen. Aus Befragungen wissen wir aber, dass sich viele Kunden bei KiK wie zu Hause fühlen. Sie kommen regelmäßig und schauen sich in Ruhe das Sortiment an, belohnen sich nach einem stressigen Arbeitstag oder suchen Mitbringsel für Freunde und Familie. Viele unserer Kunden sind Stammkunden, man kennt sich seit Jahren und tauscht sich während des Bezahlens gerne aus. Ich möchte nicht, dass dieser Aspekt zugunsten eines anonymen, vollautomatisierten Bezahlvorgangs verloren geht.

Wie wollen Sie den Nachteil, dass Onlinehandel 24 Stunden rund um die Uhr 7 Tage die Woche möglich ist, im stationären Einzelhandel kompensieren, wo über jegliche Sonderöffnungszeit wie Verkaufsoffener Sonntag diskutiert wird?

Der Onlinehandel ist keine Konkurrenz, sondern aus meiner Sicht eine sinnvolle Ergänzung und Verlängerung des stationären Handels. Wenn Ihnen am Mittag einfällt, dass Sie am Abend unbedingt noch Socken für Ihre Kinder brauchen, werden Sie in jedem Fall im Geschäft schneller fündig als online. Der stationäre Handel sollte aufhören, sich nachrangig zu fühlen und dem Onlinehandel hinterher zu hecheln. Stattdessen sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen: Nur im Geschäft gibt es den direkten Kontakt mit den Produkten und die Möglichkeit Fragen zu stellen sowie ein schönes Einkaufserlebnis zu haben. Weitere Pluspunkte sind, dass der stationäre Handel keine Versandkosten oder Mindestbestellwerte kennt und, so nötig, auch Reklamationen unkompliziert abgewickelt werden können.

Wo sehen Sie den Einzelhandel in den kommenden Jahren?

Der Markt wird sich in einzelnen Branchen weiter bereinigen, das sieht man an den aktuellen Entwicklungen im Textilbereich. Hier ist das Ende der Fahnenstange sicherlich noch nicht erreicht. Erfolgreich sein wird derjenige, der es schafft, den Kunden das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten. Für die Discounter sehe ich hier auch in den nächsten Jahren sehr gute Chancen.

Was unternehmen Sie, wenn Sie nichts für KiK unternehmen (Hobbies)?

Meine freie Zeit gehört in erster Linie meiner Familie und meinen zwei kleinen Söhnen. Ansonsten bin ich gerne sportlich unterwegs, ich spiele Hockey, habe das Laufen für mich entdeckt und bin ein großer Fan meines Heimatvereins, dem 1. FC Köln.

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