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„Der Brexit wird einen europäischen Effekt haben“

Interview mit Sabine Barthauer, Vorstandsmitglied der Deutschen Hypothekenbank

Sie ist die Frau der Zahlen: Sabine Barthauer hat ihre gesamte Karriere im Immobilienfinanzierungsgeschäft des NORD/LB Konzerns verbracht. Die gebürtige Braunschweigerin ist für die Deutsche Hypo seit 2008 tätig und gehört seit 2016 dem Vorstand an. Wir sprachen mit ihr über die Frauenquote, den Brexit und die Zukunft des Berliner Immobilienmarktes.

Frau Barthauer, Sie gehören zu den wenigen Frauen, die im Bankensektor einem Vorstand angehören. Was halten Sie von der viel diskutierten Frauenquote?

Nicht viel. Egal ob Mann oder Frau – am Ende zählt die fachliche und persönliche Qualifikation, die für eine bestimme Position erforderlich ist. Gleichwohl muss man sagen, dass es Frauen ohne die Quote und ohne politischen Druck auf dem Thema sicherlich schwerer haben, in Top-Führungspositionen aufzurücken.

Sie gehören seit 2016 dem Vorstand der Deutschen Hypo an. Was sind aktuell Ihre wichtigsten Baustellen?

Unser wichtigstes Thema ist, wie für alle anderen deutschen Banken auch, die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells hinsichtlich Digitalisierung sowie Zusammenarbeit mit Fintech-Unternehmen und mit Partnern außerhalb der Bankenbranche.

Die Deutsche Hypo ist maßgeblich an der Finanzierung unserer Mall of Berlin aber auch des Kranoldplatzes und des Geschäftszentrums Grunewald beteiligt. Wie bewerten Sie diese Projekte?

Die Projekte sind allesamt Einzelhandelsprojekte, die gut in ihr jeweiliges Umfeld passen und insofern sehen wir diese Projekte sehr positiv. Das Flaggschiff ist natürlich die Mall of Berlin im Herzen Berlins am Leipziger Platz. Städtebaulich und nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe ist die Mall ein Leuchtturmprojekt.

Welche Bedeutung hat die Mall of Berlin aus Ihrer Sicht für den Standort Berlin?

Allein mit Blick auf Historie und Standort liegt auf der Mall of Berlin eine hohe Aufmerksamkeit. Der HGHI ist es gelungen, die Mall auch überregional bekannt zu machen. Jedes Jahr 22 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland sprechen für sich. Als Anziehungspunkt für Touristen und Berliner gleichermaßen ist die Mall sehr bedeutsam für die Stadt.

Wie sieht aus Ihrer Sicht das Shoppingcenter der Zukunft aus?

Das Shoppingcenter der Zukunft passt sich immer wieder an die verschiedenen Bedürfnisse der Kundschaft an. Es ist also wandlungsfähig und stellt das Erlebnis stärker in den Mittelpunkt – also die Aufenthaltsqualität und nicht nur den Einkauf. Das Thema Digitalisierung ist natürlich auch im Einzelhandel angekommen, Stichwort: Omnichannel. Die Verzahnung des stationären Handels mit der Online-Welt in Form von Services wie beispielsweise Click & Collect oder Click & Reserve ist wichtiger denn je.

Ihr Geschäft konzentriert sich auf die Finanzierung von Investitionen im Bereich Gewerbeimmobilien. Liegt denn hier auch zukünftig Ihr Schwerpunkt?

Ja absolut. Gewerbliche Immobilien heißt ja nicht nur Einzelhandel, sondern auch Büro, Logistik, Hotel, zudem auch Wohnungsbau im größeren Stil, insofern durchaus ein sehr breites Portfolio.

Über allem schwebt die Digitalisierung. Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für Ihr Unternehmen?

Unsere Kunden erledigen Kernprozesse in der Verwaltung ihrer Immobilien beziehungsweise Projektentwicklungen inzwischen digital. Diese Arbeitsweise und Mentalität erwarten sie nun auch im Rahmen der Zusammenarbeit mit ihren Dienstleistern, beispielsweise der finanzierenden Bank. Sie möchten mit uns schnell und effizient kommunizieren, das beinhaltet eine hohe Transparenz auf den Prozess. Unsere Kunden möchten jederzeit digital Kenntnis darüber haben, an welcher Stelle im Genehmigungsprozess sich ein Projekt befindet. In Zukunft werden die Reaktionszeiten für die Kommunikation immer kürzer und die Vergleichbarkeit der Produkte wird stärker wachsen, genauso die Anforderung, mit Partnern zusammenzuarbeiten – auf der Kundenseite wie auch auf der Bankseite natürlich.

In Berlin sind Wohnungen und Büroflächen rar. Wie bewerten Sie die aktuelle Marktsituation?

Im Bürobereich ist die Nachfrage nach wie vor sehr hoch. In Berlin haben wir sehr geringe Leerstände und wir kommen aufgrund unterschiedlicher Thematiken mit dem Bauen kaum voran, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Dies hat unterschiedliche Gründe. Zum einen natürlich das Thema Genehmigungen innerhalb der unterschiedlichen Planungsphasen, das heißt Baugenehmigungen und Bauvorbescheide zu bekommen; zum anderen die hohe Auslastung der Bauindustrie. Insofern ist es auch schwer, so schnell so viel zu bauen, wie eigentlich für den Markt benötigt wird.

Warum werden in Deutschland Großprojekte so schleppend umgesetzt?

Zum einen hängt es natürlich an den Grundstücken. Wenn Großprojekte geplant werden, müssen zunächst mal Areale gekauft werden, die die Projekte ermöglichen. Teilweise werden Grundstücke jahrelang arrondiert, das heißt nach und nach von privater oder städtischer Hand erworben. Anschließend beginnt der Prozess der Planung, die Abstimmung mit den städtischen Behörden, die Ausschreibungen zur Findung der geeigneten Bauunternehmen und die finale Umsetzung. All dies nimmt viel Zeit in Anspruch und dauert bei Großprojekten entsprechend länger.

Hinzu kommen rapide steigende Baukosten. Geht die Preisspirale aus Ihrer Sicht weiter nach oben?

Das ist eine gute Frage. Dies hängt allerdings nicht nur von der Nachfrage und den Bauunternehmen ab, die für ihre Leistungen einen bestimmten Preis verlangen können, sondern auch von den Rohstoffen, die mitunter auch hohe Preissteigungen mit sich bringen. Aktuell ist die Projekt-Pipeline gut gefüllt – das wird so lange so bleiben, wie die deutsche Wirtschaft wächst. Es wurden gerade die ersten Prognosen veröffentlicht, die ein geringeres Wachstum vorhersagen. Falls die Nachfrage nach Büroflächen oder sonstigen Gewerbeflächen nicht mehr so stark anwächst, wird auch der Druck auf dem Preisthema ein wenig abnehmen.

Ihr Geschäftsschwerpunkt liegt in Deutschland und England. Inwiefern hat der Brexit Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Wir machen zwei Drittel unseres Geschäftes in Deutschland und ein Drittel in Europa, darunter auch Großbritannien. Den Brexit haben wir natürlich im Blick und verfolgen dort die Entwicklungen sehr genau. Direkte Auswirkungen auf unser Geschäft sind heute noch nicht absehbar. Großbritannien ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und wird auch zukünftig ein wichtiger Markt für internationale Investoren sein.

Wie bereiten Sie sich denn auf einen harten Brexit vor?

Großbritannien zählt weiterhin zu den Kernmärkten der Deutschen Hypo. Wir sind seit gut 25 Jahren mit einem Standort in London präsent und haben dementsprechend großes lokales Know-how aufgebaut. Derzeit sind wir mit größerer Vorsicht in Großbritannien aktiv. Dennoch schließen wir unverändert ausgewählte Finanzierungen ab, die zu unserem Qualitätsfokus passen. Aktuell schauen wir uns die verschiedenen Brexit-Szenarien an und entwickeln Strategien, wie wir unser Geschäft dort zukünftig aufstellen.

Welche Folgen sehen Sie für Deutschland im Großen und Berlin im Kleinen?

Der Brexit wird einen europäischen Effekt haben, da viele Produkte mehrfach die Grenzen überschreiten, um später zum Endprodukt zu werden. Insofern sind alle Staaten und damit auch Deutschland und Berlin vom Brexit betroffen – in welcher Form, das werden wir sehen. Es wird sicherlich auch gegenteilige Effekte geben. Ich glaube, dass Berlin als Startup-Standort davon profitiert, dass einige Unternehmen nicht nach England gehen, sondern sich stärker auf Berlin und Kontinentaleuropa konzentrieren.

Neben dem Brexit ist auch die Niedrigzinsphase ein Dauerproblem. Gehen die Zinsen wieder rauf und wie lautet Ihre Prognose?

Mit Blick auf die letzten Äußerungen der EZB und die politische Situation in Europa sehe ich wenig Spielraum für Zinserhöhungen – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Wachstumsprognosen nach unten angepasst worden sind. Dazu passen keine Zinserhöhungen.

Was wünschen Sie sich von der EZB?

In der Vergangenheit hat die EZB ihre Entscheidungen im europäischen Sinne immer gut abgewägt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die wirtschaftspolitischen Auswirkungen der Zinspolitik weiterhin Berücksichtigung finden.

Wo sehen sie den Berliner Immobilienmarkt in der Zukunft?

Der Berliner Immobilienmarkt verfügt noch über großes Entwicklungspotenzial, das er in Zukunft auch heben wird. Es gibt viele Flächen, man macht sich in der Stadt gute Gedanken zur Entwicklung von Berlin, auch zur Erschließung der Einfahrtsachsen, zur Entwicklung Berlins insgesamt und der jeweiligen Stadtteile. Der beste Beleg dafür sind Ihre Projekte, zum Beispiel die neue Fußgängerzone Gorkistraße in Tegel. HGHI und Deutsche Hypo entwickeln nicht nur den Kern von Berlin, sondern wir nehmen die Entwicklung von Berlin über die unterschiedlichen Kieze auf. Abseits dessen ist der Wohnungsbau ein großes Thema in Berlin, das angegangen werden muss. Da ist viel Druck auf dem politischen Kessel.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Sabine Barthauer
Sabine Barthauer
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