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„Der Handschlag gilt“

TRIGEMA-Chef Wolfgang Grupp über Politik, Nachhaltigkeit und Erfolg

Trigema ist wie HGHI ein inhabergeführtes deutsches Unternehmen - gibt es Gemeinsamkeiten?

Der Hauptunterschied ist wohl die Rechtsform. Mein Unternehmen gehört mir allein, es gibt keine anderen beteiligten Personen oder Firmen und ich hafte mit meinem Privatvermögen. Eine voll haftende Rechtsform bedeutet auch, dass ich persönliche Entscheidungen sehr überlegt  treffe. Wenn ich nicht  haften  würde,  wäre das wahrscheinlich anders. Auch bei risikoreichen Entscheidungen wäge ich gründlich ab, dennoch gilt auch hier für mich seit jeher der Grundsatz: Der Handschlag gilt. Eine Gemeinsamkeit unserer beiden Unternehmen ist wohl die Nähe des Chefs zu den Mitarbeitern, man ist in alle Belange involviert und ständiger Ansprechpartner für alles und jede Entscheidung.

Sie gelten als innovative Unternehmerpersönlichkeit. Was war bisher Ihr größter Erfolg?

Erfolg haben ist keine Kunst, sondern man muss den Erfolg auch durchstehen bis zum Ende seiner Berufslaufbahn! Es gibt einige Beispiele wie etwa Herr Neckermann oder auch Herr Schlecker. Beide waren erfolgreich, werden aber nicht als solche in die Geschichte eingehen.

Noch nie eine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen zu haben ist doch auch ein Erfolg?!

Tatsächlich gibt es keine betriebsbedingten Kündigungen bei uns, das stimmt. Selbst wenn ein Mitarbeiter goldene Löffel stehlen würde, gebe ich ihm persönlich eine letzte Chance. Nicht selten begreifen die Mitarbeiter dann, dass sie in einem Familienunternehmen arbeiten, nehmen die Chance war und werden zu treuen Mitarbeitern. Auch ich habe schon Fehler gemacht, aber jeder Fehler ist zunächst klein und wenn man ihn erkennt, muss er eben sofort korrigiert werden. Dazu gehört ein gewisser Mut und auch die Bereitschaft, seine Entscheidungen von gestern, wenn man neue Erkenntnisse hat, auch zu korrigieren.

Haben Sie ein Beispiel?

Natürlich, zum Beispiel Frau Merkel und ihre Willkommenskultur: Dieses berühmte „Wir schaffen das" war an der Stelle richtig und  sehr gut. Aber schon kurz danach hätte sie direkt korrigieren müssen: Wenn sie erkennt, dass unter dem Deckmantel der Flüchtlinge auch Scharlatane ins Land gelangen, muss sie handeln und erkennen, dass die erste Entscheidung korrigiert werden muss. Also hätte sie damals auf der Stelle die Grenzen wieder einrichten und nicht etwa Österreich für dere  Grenz-Entscheidung kritisieren müssen. Wenn Frau Merkel ihre Entscheidung schneller korrigiert hätte, dann hätte es sicher nicht so viele Protestwähler gegeben. Fehler müssen erkannt und schnellstens korrigiert werden, natürlich gehört dazu auch Mut.

Sie haben unter Beweis gestellt, dass Sie als einer der wenigen Unternehmer trotz Globalisierung in der Textilbranche erfolgreich in Deutschland produzieren können. Was machen die anderen falsch?

Als heimischer Unternehmer ist es für mich nicht nur selbstverständlich, sondern eine erste Pflicht, auch in einer angeblich globalisierten Welt zuerst meine Aufgabe in unserem Heimatland zu erfüllen, bevor ich meine, dass Glück in der Ferne suchen zu müssen. In meinem Heimatort Burladingen gab es früher 26 Textilhersteller, 25 davon gibt es heute nicht mehr. Fast alle von ihnen waren Millionäre, dann verlagerten sie ihre Produktion ins Ausland, weil sie den Wandel der Zeit nicht erkannten und sind dann nach und nach Konkurs gegangen. Am Standort Deutschland muss jederzeit, in allen Branchen, eine Produktion möglich sein, wenn man weiß, dass man keine Massenartikel, sondern ausschließlich innovative Produkte produzieren muss.

Vielleicht ließen sich die anderen von geringeren Kosten locken?

Ihre Kunden haben sie durch entsprechenden Preisdruck gezwungen ins Ausland zu gehen. Man muss aber den Kunden auch mal Nein sagen. Damals waren die Kaufhaus- und Versandhauskönige die Großkunden unserer Branche. Dass ein Karstadt oder ein Neckermann oder Quelle Pleite geht, hätte sich vor 20 Jahren wohl niemand vorstellen können! Als der Preisdruck dieser Großkunden immer größer wurde, musste ich Nein sagen, da ich wusste, dass ich Mitarbeiter habe, die gute Leistung bringen und auch dafür bezahlt werden müssen. Also musste ich neue Kunden suchen. Dann waren wir größter Lieferant bei den SB Kunden und später bei den Discountern und als dann auch da der niedrige Preis im Vordergrund stand, musste ich erkennen, dass ich in einer bedarfsgedeckten Wirtschaft endgültig auch einen Teil der Handelsfunktion in eigene Hände übernehmen muss und so begann ich mit dem Aufbau unserer TRIGEMA-Testgeschäfte.

Wie?

Dies ist nichts anderes als ein Fabrikverkauf außerhalb der Fabrik. Heute gehen 50 Prozent der Produktion über diese Geschäfte und 15 Prozent über unseren Onlineshop. Als ich vor 20 oder 25 Jahren noch die Discounter belieferte und für eine Aktion zum Beispiel 300.000 Nachthemden bestellt wurden, hätte ich mir diese Entwicklung nicht vorstellen können! Ich muss aber als Unternehmer diesen Wandel rechtzeitig erkennen. Es ist meine Aufgabe zu sehen, dass der Online-Handel konstant wächst, deshalb werden wir auch unsere Testgeschäfte zahlenmäßig nicht erweitern.

Welche Bedeutung hat das Gütesiegel „Made in Germany"?

Made in Germany hat auch heute noch einen starken Ruf und den dürfen wir nicht weiter zerstören. Dafür benötigen wir unsere Produktionsarbeitsplätze in unserem Heimatland. Lagern wir diese aus, werden die Billiglohnländer sicher diese Arbeit abnehmen, aber sie werden sich nicht nehmen lassen gleichzeitig an diesen Arbeitsplätzen zu entwickeln und zu forschen und dann können wir den technischen Fortschritt, den wir von unseren Vätern und Großvätern geerbt haben, nicht an die nächste Generation weitergeben, weil entwickelt und geforscht wird nicht am Schreibtisch, sondern ausschließlich an den Produktionsarbeitsplätzen!

Was bedeutet Ihnen als heimatverbundener Burladinger Berlin?

Berlin ist unsere Hauptstadt und ich freue mich jedes Mal, wenn  ich in Berlin bin, wie wunderschön die Stadt sich entwickelt hat. Wir wohnen normalerweise im Adlon und gehen dann natürlich auch in unseren Shop in der Mall of Berlin und sagen unseren Mitarbeiterinnen Grüß Gott. Ich bin aber kein großer Stadtmensch, sondern lebe gerne auf dem Land. Ich habe ein schönes zu Hause und fühle mich dort am wohlsten. In Berlin bin ich, wenn ich Termine habe, aber danach zieht es mich wieder aufs Land, wo ich zu Hause bin.

Wenn Sie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel tauschen würden, welche drei Entscheidungen würden Sie sofort trefen?

Ich wollte nicht unbedingt mit ihr tauschen, aber wenn ich müsste, würde ich zuerst versuchen, dass unsere Gesellschaft wieder zurückkommt zur Verantwortung. In der Wirtschaft würde dies heißen, es müssen Anreize geschaffen werden, dass  die  Entscheidungsträger auch wieder persönlich in der Verantwortung stehen und für ihre Entscheidungen haften. Als Anreiz würde ich die Einkommenssteuer um einige Prozente anheben und demjenigen, der persönlich die Haftung für seine Entscheidung übernimmt 50 Prozent Einkommensteuerrabatt geben, dann wäre ich sicher, dass viele wieder wegen des Steuerrabatts in die Verantwortung und Haftung zurückgingen und dann wären sicher die Entscheidungen überlegter und verantwortungsvoller und Gier und Größenwahn wäre ein Riegel
vorgeschoben!

Zweitens würde ich die Flüchtlingsentscheidung der Bundeskanzlerin sofort korrigieren. Ein Flüchtling, der die Gastfreundschaft missbraucht, müsste auf der Stelle Deutschland verlassen. Drittens würde ich die große Koalition schnellstens beenden, da ich der Meinung bin, dass der Wähler schon bei der letzten Bundestagswahl, dann bei den beiden Landtagswahlen in Bayern und Hessen, klar zum Ausdruck gebracht hat, dass er diese Konstellation nicht will.

Ich habe bereits bei der letzten Bundestagswahl öffentlich gesagt, dass ich die Entscheidung von Herrn Lindner großartig und mutig empfand, da er klar zum Ausdruck brachte, dass er seinen Wählern keine weiteren Kompromisse zumuten kann. Die SPD ist damals sehr stark nach rechts gerückt und die CDU entsprechend nach links und so gab es verständlicherweise in beiden Parteien viele Protestwähler. Eine Lösung kann nur sein, dass die Parteien wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren und den Wählern sich neu stellen!

Stichwort Nachhaltigkeit. Sie arbeiten mit Ihrem eigenen Strom.

Nachhaltigkeit ist sehr wichtig. Gerade in unserer heutigen Zeit und so ist es für mich selbstverständlich gewesen, schon vor Jahrzehnten, durch Kraft-Wärme-Kopplung 100 % Eigenstrom zu produzieren. Auch unsere Produkte sind nachhaltig produziert. Wir haben das erste textile Produkt nach dem Prinzip Cradle to Cradle in der Welt produziert, d.h. in der Erde wächst die Baumwolle, unser Lieferant, der Spinner, spinnt diese zum Garn und wir machen aus dem Garn das fertige Produkt. Der Träger kann es nach Gebrauch in den Komposthaufen geben, so dass das textile Teil den Erdboden nährt und Baumwolle kann wieder nachwachsen. Dieser Kreislauf ist das Prinzip von Cradle to Cradle.

Stichwort zukunftsorientiert: Was erwarten Sie von diesem Jahr?

Wir brauchen wieder Normalität in unserer Gesellschaft. Gerade wirkt es so, als ob alles sprudelt und wächst, alle suggerieren es laufe gut. Vor zehn Jahren hatten wir die Lehman Brothers-Pleite und den großen Bankenkollaps. Dass Ähnliches bald wieder passieren könnte, möchte ich nicht ausschließen. Ich glaube nicht, dass wir da im Moment sehr weit von entfernt sind.

Wie sind Sie damals eigentlich auf den Afen gekommen?

Damals saßen die Tagesschausprecher genau so am Schreibtisch wie heute noch der Affe. Die Idee war: Um eine Minute vor acht wollen die Leute keine Werbung schauen, sondern die Nachrichten sehen. Dass der Affe ähnlich positioniert ist, schafft allein schon Aufmerksamkeit. Ursprünglich wurde der Spot für einen japanischen Konzern gemacht, den dieser am Ende doch nicht übernehmen wollte, da die Konzernleitung ihre Werbung nicht mit einem Affen machen wollte. Mir hat er aber von Anfang an gut gefallen und so habe ich ihn genommen. Hinzu kam der glückliche Umstand, dass sich damals die ZDF-Serie „Unser Affe Charly" mit einem Schimpansen in der Hauptrolle großer Beliebtheit erfreut hat. So kam es, dass viele Kinder, wenn sie bei uns in einem Testgeschäft waren und unsere Affen-Tasse oder das T-Shirt mit dem Affen gesehen haben, sofort vom Affen Charly sprachen. Auch heute ist dies noch so, deshalb werden wir den Spot auch noch länger behalten.

Sie sagten, dass man Ihren Erfolg erst dann messen könne, wenn Sie abdanken. Wann planen Sie dergleichen?

Das Schönste im Leben ist nicht Geld zu zählen, sondern das Gefühl zu haben, von seinen Mitmenschen gebraucht zu werden. Meine Mitarbeiter und meine Familie geben mir dieses Gefühl immer noch und deshalb werde ich auch weiterhin gerne meine Aufgaben übernehmen.

Wolfang Grupp
Alleiniger Inhaber: Wolfang Grupp führt das 1919 gegründete Unternehmen in dritter Generation
HGHI

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